o2-Cup 2004: Germania triumphiert in Augsburg

Alle Ergebnisse des Turniers

Gruppe A:
Eschborn II - Germania Leer 0:0
Unterföhring - Ahbach 6:0
Eschborn II - Unterföhring 0:3
Germania Leer - Ahbach 6:2
Unterföhring - Germania Leer 1:1
Ahbach - Eschborn II 1:5

Gruppe B:
Hillerse - Usseln 2:1
Augsburg-Lechhausen - Neideck 1:0
Usseln - Augsburg-Lechhausen 0:10
Hillerse - Neideck 4:1
Augsburg-Lechhausen - Hillerse 3:0
Usseln - Neideck 1:5

Halbfinale:
Unterföhring - Hillerse 3:0
Germania Leer - Augsburg-Lechhausen 2:1

Spiel um Platz 3:
Augsburg-Lechhausen - Hillerse 5:4 n.E.

Finale:
Unterföhring - Germania Leer 4:5 n.E. (0:0)



Der pure Wahnsinn

Am Ende stand der Triumph. Als Wlodek Pikula am Nachmittag des 9. Oktober kurz vor 17 Uhr den entscheidenden Siebenmeter für den VfL-Turniersieg beim o2-Cup verwandelte, lagen 24 aufregende Stunden hinter den Leeranern. Denn am Freitagnachmittag ging es per Flugzeug zunächst von Bremen nach München. Dort am Flughafen angekommen, wurde schnell klar, dass wir in Bayern sind. Das herzliche "Servus" unserer Busfahrerin Edith ließ daran keinen Zweifel. Edith unterhielt die Ostfriesen fortan mit einigen Anekdoten im tief-bayrischen Akzent, während sich einige in den hinteren Busreihen auf plattdeutsch diskutieren. Irgendwie prallen zwei Welten aufeinander...
Unsere persönliche Hostess Tina fand schnell Anklang beim Germania-Tross. Außerdem hatte sie die Lacher auf ihrer Seite. Beim Verlesen der Spielernamen war sie doch etwas irritiert von den Lünemanns und Ammermanns. Sie entgegnete forsch: "Seid Ihr alle Brüder, oder was?!" Das Eis war gebrochen. Und so kam es, dass Tina ("Fußball interessiert mich eigentlich nicht") am nächsten Tag begeistert mit ihrem neuen Germania Leer-Fanschal über die Sportanlage rannte und den Leeranern die Daumen drückte.

Doch zunächst war da noch der Freitagabend. Nachdem die Germanen vom Hotel zur Eröffnungsveranstaltung im Festzelt am Sportgelände gebracht wurden, war eines schnell klar: Nicht alle Teams nehmen das Turnier so ernst. Denn bereits um 22 Uhr tanzten die Spieler der tieferklassigeren Teams aus Usseln und Neideck entblößt auf den (wackeligen) Tischen. Auf das gegenseitige Zeigen der Genitalien wurde dabei natürlich nicht verzichtet...

Die Germania-Spieler ließen es, doch leicht ermüdet von der längsten Anreise aller Teams, ruhiger angehen. Zwar gönnte man sich das eine oder andere Bier, aber wie die Turnierfavoriten aus Eschborn, Lechhausen oder Unterföhring hielten sich auch die Leeraner zurück. Wie es einige der trinkfesten gegnerischen Spieler von Usseln oder Neideck am nächsten Morgen geschafft haben, pünktlich auf dem Sportgelände zu sein, war schon bewundernswert. Ja, sogar der Usseln-Spieler, der des Nachts noch sein Abendessen vor dem Stadion-Eingang verteilt hatte, war mit von der Partie. Müßig zu erwähnen, wie die Ergebnisse ausfielen. Usseln unterlag z.B. Lechhausen in der Vorrunde mit 0:10.


Konzentrierter gingen da Germania und Eschborn II im ersten Spiel der Gruppe A zu Werke. Man merkte beiden Teams an, dass sie die wichtige Partie auf keinen Fall verlieren wollten. Der Respekt beiderseits war groß, die Defensivleistungen klasse. Und so war am Ende ein 0:0 die logische Folge. Gruppengegner Unterföhring zeigte sich unterdessen spielerisch bei seinen ersten Auftritten sehr stark und machte sich durch das 3:0 gegen Eschborn sowie das 6:0 gegen Ahbach zum Turnierfavoriten. Gegen Ahbach zeigte sich dann aber auch Germania in Torlaune. Zur Pause stand es bereits 5:0. Doch nach dem Wechsel lief es nicht mehr rund. Es drängte sich der Eindruck auf, dass jeder "sein" Tor machen wollte, das Zusammenspiel klappte nicht mehr optimal. Und so gab es am Ende "nur" einen 6:2-Erfolg gegen die Jungs aus der Eifel, die sich mit Germania die Kabine teilten.
Das führte übrigens noch zu einer amüsanten Situation. Als VfL-Trainer Ralf Ammermann vor einem Spiel mit seiner Ansprache beginnen wollte, war aus einer Kabinen-Ecke ein leises Stöhnen zu hören. Verwundert rief Ammermann zu dem Ahbacher Spieler, der da auf der Massagebank lag: "Was machst Du denn da?" Der Ahbacher antwortete wie selbstverständlich: "Ich habe Schmerzen im Nacken und kann mich nicht bewegen. Jetzt bin ich hier für 10 Minuten ruhiggestellt worden." Damit hatte er zumindest die Lacher auf seiner Seite und so durfte auch mal ein Spieler einer gegnerischen Mannschaft an einer Germania-Besprechung teilnehmen...

Spannend wurde es nun im Vorrunden-Spiel gegen die starken Unterföhringer. Die Bayern gingen zunächst mit 1:0 in Führung. Doch Germania kämpfte im Wissen, dass ein 1:1 für die Halbfinalteilnahme reicht, bis zum Umfallen. Und das wurde belohnt. "Knuek" Brüntjen glich kurz vor Schluß aus. Damit war das Weiterkommen gesichert und die Eschborner durften mit langen Gesichtern die Heimreise antreten.

Das Unterföhring-Spiel wäre für Herz-Patienten sicher schon tabu gewesen, doch es wurde noch nervenaufreibender. Das Halbfinale gegen Gastgeber DJK Lechhausen war einfach ein Klassiker. Auch in dieser Partie geriet Germania gegen die höherklassigeren (5. Liga) Augsburger in Rückstand. Aber danach übernahm Leer die Initiative und spielte begeisternden Fußball. Wieder mal gab es Chancen über Chancen, aber das Leder wollte nicht ins Tor. Die mitgereisten Germania-Fans schrien sich die Kehle aus dem Hals und erhielten im Verlaufe des Spiels akustische Unterstützung von den Ahbacher Spielern, die sich nun auch an den Spielfeldrand gesellten.

Das führte zu einem interessanten verbalen Schlagabtausch mit den heimischen Lechhausen-Fans. Als diese im Glauben an den sicheren Sieg Hohn-Gesänge anstimmten, reagierten die Leeraner und Ahbacher mit: "Wir können Hochdeutsch und Ihr nicht", was selbst Trainer Ammermann trotz der großen Anspannung zum Lachen brachte. Angetrieben von einer fantastischen Stimmung schaffte Germania dann die Sensation. Jörn Janssen glich zunächst aus.
Kurz vor Schluß lief Pikula (von den Ahbachern nur "Pipo" gerufen) dann alleine aufs Lechhauser Tor zu und behielt die Nerven gegen den DJK-Keeper. Was folgte, war der vielleicht ekstatischste Jubel in der VfL-Geschichte. Piku sprang voller Euphorie in die Arme der jubelnden Fans und es bildete sich ein riesiges Freuden-Knäuel um ihn und den Fanbeauftragten Holger Buß, der Piku aufgefangen hatte. Danach retteten einige Glanztaten von Ullmann (von den Fans als "geilste und längste Sau der Welt" gefeiert) den Sieg. Die Stimmung kannte keine Grenzen: "Hasta la vista - Germania Finalista", skandierte das Leer-Ahbach-Konglomerat.

Im Finale avancierte Torhüter Ullmann endgültig zum Helden. Ehrlicherweise muß man eingestehen, dass Unterföhring die besseren Chancen besaß. Doch Ullmann hielt alles. Nur einmal nahm ihm der Pfosten die Arbeit ab. Und so kam es zum Herzschlag-Finale im Siebenmeterschießen.
Alle Leeraner verwandelten, während ein Unterföhringer übers Gehäuse schoß. Wlodek Pikula traf beim entscheidenden Siebenmeter zum 5:4. Danach wurde er fast von einer Horde ekstatischer Leeraner erdrückt. Er bekam wohl erst wieder Luft, als alle ihn hochleben ließen.

Die Szenen, die sich abspielten, sind einfach unbeschreiblich und kaum zu verarbeiten. Sicher, viele haben von diesem Triumph geträumt. Aber den Cup wirklich zu gewinnen, daran hatte keiner ernsthaft gedacht. Wahrscheinlich haben es die meisten erst realisiert, als Leverkusens Torhüter Hans-Jörg Butt Wlodek Pikula den Pokal in die Hand drückte.

Dementsprechend feucht-fröhlich fiel die Feier nach dem Sieg aus. Da gibt es Geschichten von in Diskos einschlafenden Betreuern, Taxifahrer zur Verzweiflung bringenden Fans und und und...
Angesichts des Promillestandes einiger Spieler, dürfte es nicht verwundern, dass es im Flugzeug am nächsten Tag zahlreiche grüne Gesichter gab. Grün vor Neid dürften hingegen anderen Vereine werden. Denn eines steht fest: Germania fliegt mit Leverkusen ins Wintertrainingslager. Der Ort wird bald bekanntgegeben. Es geht auf jeden Fall in den warmen Süden. Die Organisatoren versicherten schon: "Wir werden kein Trainingslager auf Langeoog machen..."